Bericht der offiziellen Störlaufseite

Liebe Sportler,

der Jubiläumsstörlauf ist vorbei! Die zahlreichen Rückmeldungen, die wir von den Aktiven und Zuschauern bekamen, waren durchweg positiv ? fast schon überschwänglich - und haben uns nach monatelanger Vorbereitung auch gut getan. Hinzu kam, dass es das Wetter in diesem Jahr gut mit uns meinte, und es bot sich den Läufern und Walkern ein ideales Laufwetter. Alle waren von der Begeisterung auf der Strecke, insbesondere in Oelixdorf und Münsterdorf angetan. Getoppt werden konnte dann nur noch diese Stimmung durch den Einlauf in den Cirencester Park in Itzehoe. Viele erzählten hier von "Gänsehautfeeling" und meinten übereinstimmend "Sowas vergisst man nicht so schnell!"





Bilderfolge Norddeutsche Rundschau 



Wer stört da ?

Wer stört da?

Der Oelixdorfer Musikzug ist bekannt für seine spektakulären Ideen. Man denke an die musikalischen Nacktmodels im Steinburger Männer-Kalender 2005. Das ist lange her, also wurde es wieder Zeit für einen neuen Coup. So reifte bei dem Gedanken an den bevorstehenden Jubiläums-Störlauf 2009 die Idee, als musizierende Truppe anzutreten. Geeignet für eine solch sportlich-musikalische Leistung war das 5-km-Walken. Die Idee fand sehr unterschiedliche Resonanz. Einige Musiker zeigten sich sofort davon angetan, andere waren skeptisch, ob man durch das Mitführen der Instrumente vielleicht gegen irgendwelche komplizierten Störlauf-Regularien verstoßen würde. Um nicht schon vorab als "Stör"enfried abgetan zu werden und ein Nein zu ernten, wurden die Instrumente bei der Anmeldung einfach verschwiegen. Der Gedanke war: Wenn die einen Nordic-Walking-Stöcke mitführen durften, warum nicht die anderen auch Dirigentenstab, Blasinstrumente und Trommeln? Man hört, dass bis zuletzt die Skepsis nicht nachließ und dass es sogar kleine, fiese Monster gab, die sich des Nachts in die Träume einer aktiven Musikerin einschlichen, um damit zu drohen, dass der Oelixdorfer Musikzug schon am Start disqualifiziert werden würde.

Der 16. Mai 2009 startete wenig verheißungsvoll. Der Himmel war verhangen und es nieselte. Erst gegen Mittag klarte es auf und die dunkle Waldstrecke verwandelte sich in einen lichtdurchfluteten Parcours. Rechtzeitig vor dem Startschuss trafen sich die Musik-Walker auf dem ALDI-Parkplatz in der oberen Kaiserstraße. Alle trugen ihre schwarzen T-Shirts, Sporthose und bequemes Schuhwerk. Transponder, Startnummer, offizielle Störlauf-T-Shirts und "Ich bin dabei"-Aufkleber wurden verteilt. Die Stimmung war großartig. Mit Instrumenten bepackt stiefelten alle noch einmal durch den ALDI-Markt, um sich mit Bier (sehr sportlich! (Anmerkung der Redaktion)), Schokolade und Weingummis einzudecken. Man weiß ja nie, was unterwegs alles passiert. Und dann will man gewappnet sein. Logisch! Nach dem Einkauf wurden noch schnell ein paar Gruppenfotos gemacht und dann ging es gut gelaunt los, die Kaiserstraße hinunter, zum Startbereich des Itzehoer Störlaufes. Die Mädels mussten noch mal schnell auf´s Örtchen, während die letzten Zweifler noch immer nicht sicher waren, ob die musikalische Idee bei den sportlichen Verantwortlichen ankommen würde.

Einige Minuten vor dem Start tummelten sich gerade einmal rund hundert Sportler im Startbereich. Wenn man bedenkt, dass die anderen Läufe mit 400 und mehr Läufern ausgebucht waren, dann würde dieser Lauf sehr überschaubar werden. Dennoch postierten sich die Musiker aus Fairnessgründen ganz hinten. Keiner von ihnen wollte den Lauf gewinnen. Es ging einzig und allein um den Spaß und um das Dabeisein. Endlich bemerkten auch die Initiatoren, dass es sich bei der kleinen, schwarz gekleideten Gruppe um einen Spielmannszug, äh: Musikzug handelte. "Davon wussten wir ja gar nichts!" konnte man durch das Mikrofon hören. Schrecksekunde! Doch dann war Aufatmen angesagt. Die Instrumente wurden geduldet - nein, sie kamen sogar richtig gut an! Thomas, der für die interne Organisation zuständig war, musste sogar auf einen Kasten steigen und ein paar Worte ins Mikro sprechen. Damit war der Sieg schon vorweg genommen.

Zehn, neun, acht, sieben, sechs, fünf, vier, drei, zwei, eins, klapp! Endlich ging es los. Pünktlich um 18:30 Uhr startete der etwas andere 5-km-Walking-Lauf. Und mit dem Startschuss setzte auch schon der erste Marsch ein. Rumtata, rumtata, links, zwo, drei, vier, rumtata! Die wenigen Zuschauer entlang der waldigen Strecke applaudierten begeistert. Die Walker ohne Instrument bauten ihren Vorsprung immer weiter aus und irgendwann schien es, als würden die Oelixdorfer Musiker ganz allein sein im Breitenburger Wald. Schaulustige sah man nur vereinzelt. Kühe, Rehe und andere Tiere müssen ziemlich irritiert gewesen sein. Da bekamen sie nicht alle Tage geboten! Ansonsten musizierte die Truppe streckenweise nur für die Bäume am Wegesrand. Die Stimmung war gelöst und fröhlich. Großes Hallo gab es vor der Gaststätte Amönenhöhe. Eine Festgesellschaft versammelte sich vor dem Lokal und erwiderte die musikalische Geste mit freudigem Winken. Sogar "Bravo!"-Rufe waren zu hören.

"Wann sind wir endlich da?", tönte es kurz vor dem Wendepunkt aus den Mündern einiger Musiker. Nicht, dass sie müde oder erschöpft gewesen wären. Nein, alle schienen putzmunter. Inzwischen waren die ersten Walker dieses Laufs schon wieder auf dem Rückweg. Sie spendeten Beifall und man sah ihnen die Freude über die rhythmischen Klänge an. Richtig euphorisch, aber auch kriminell, wurde es, als den Musikern auf dem Rückweg die 10-km-Läufer in einem riesigen Pulk entgegen liefen. Da wurde es dann richtig eng! Aber auch diese Situation wurde gemeistert.

Nach rund einer Stunde kam das Ziel in Sichtweite. Der Oelixdorfer Musikzug wurde von den Schaulustigen angefeuert, sich zu beeilen. Der erste Läufer des 10-km-Laufes wurde nämlich zwei Minuten später im Ziel erwartet. Und der sollte schließlich freie Bahn haben. Nicht, dass es doch noch ein "Stör"lauf werden würde. Mit einem abschließenden Marsch stolzierten die Oelixdorfer Leistungs-Walker ins Ziel. Bis auf einen Mitstreiter, der noch etwas später ankam, belegten die Musiker die hinteren 25 Plätz der Rangliste, wurden aber gefeiert, als wären sie die Sieger.

Schließlich gab es für alle Iso-Drinks, Müsli-Riegel und Obst zur Stärkung. Und wieder wurden Gruppenfotos gemacht. Heldenhaft sahen sie aus, die Musiker. Sie werden nächstes Jahr sicher wieder zum Störlauf antreten. Man darf gespannt sein, wie viele Nachahmer es dann geben wird.

(c) Birgit Rentz, im Mai 2009